Die Pferdefreundin


ZVW, vom 30.04.2011 01:04 Uhr

 

Seine wilde Mähne und seine verschmitzten Augen haben es Irene Adler angetan: „Ibn Ahktal“ (links, gemalt mit Acyrl auf Leinwand) ist ihr Lieblingsbild. „Ich habe das Pferd gesehen und geliebt.“ Rechts zu sehen ist Araberhengst Shattal, ebenfalls in Acryl.

Bild: Pavlovic Foto: ZVW

 

Die Schorndorferin Irene Adler (46) stellt ihre Tier- und Landschaftsbilder bis Ende Juni im Urbacher Schloss aus

 

Urbach. Ein Pferd hat sich Irene Adler immer gewünscht – schon als kleines Mädchen. Sie mag Tiere, hat einen Hund und vier Meerschweinchen. Mit Fotos fängt sie die Stimmung ihrer Lieblinge ein – und malt sie dann. Bei Landschaften reizt sie ebenfalls die Atmosphäre. Gewitter, Schatten, Gefahr. Nun stellt Irene Adler zum ersten Mal aus.

 

Lichterloh brennt das Feuer rund um das Pferd. Ein Bild voller Gefahr und Temperament. Als Betrachter will man dem Tier zurufen: Flieh, galoppiere so schnell du kannst. „Das Pferd ist ja ein Fluchttier“, sagt Künstlerin Irene Adler. Deshalb ist Vertrauen so wichtig. „Man muss ganz arg sensibel auf ein Pferd zugehen.“ Genauso hält es die Schorndorferin beim Malen. Sie denkt sich in die Tiere hinein – und hat bis heute deren Stimmung nicht vergessen.

 

Die Urbacherin Hildegard Wimmer hat die Chance geboten

 

2006 hat Irene Adler mit dem Malen angefangen. Zwei Jahre später startet sie so richtig durch. Sie beginnt mit Tierbildern und wagt sich dann an Landschaftsbilder heran. Sie pinselt nicht einfach eine Wiese oder einen Baum ab. Die 46-Jährige interessiert die Atmosphäre. Wie fällt das Licht? Braut sich was zusammen? Welche Energie wird frei? Ihre Werke stellt Irene Adler zum ersten Mal aus. Hildegard Wimmer hat den Kontakt geknüpft und die Schorndorferin gefragt, ob sie nicht im Urbacher Schloss ihre Kunst zeigen will. Zu Urbach hat Irene Adler durchaus eine Beziehung: Knapp zehn Jahre hat sie hier gelebt – „und ich würde auch gern wieder hinziehen“.

 

Wer durch die Ausstellung von Irene Adler geht, der kommt der Künstlerin unweigerlich privat näher. Da sind zum Beispiel die Bilder ihrer Meerschweinchen. Von Gipsy sieht man nur ein Auge und die Schnauze. So hat Irene Adler ihren Liebling fotografiert und dann genau diesen Bildmoment als Vorlage benutzt. Gipsy guckt etwas ängstlich, während Weibchen Noa schon mutiger ist. „Ich versuche immer zu gucken, was das Tier denkt.“ Vor allem die Augen haben es ihr angetan – denn die gelten schließlich als Spiegel der Seele. Meerschweinchen Murphy träumt derweil vom Löwenzahn. Es ist eine Erinnerung: Murphy ist mit neuneinhalb Jahren, einem hohen Alter für seine Art, gestorben.

 

Araberhengst Malik, der auf dem nächsten Pastellbild auftaucht, scheint etwas stinkig zu sein. Die Flecken auf seinem Körper heißen im Fachjargon Fliegenschimmel. „Ich finde es ganz arg faszinierend, mit Pastell zu malen“, sagt Irene Adler. Es ist mittlerweile ihre Lieblingstechnik.

 

Irene Adlers Werke sind teilweise für ganz bestimmte Menschen entstanden. Den Husky hat sie für ihren Mann Christian gemacht, den Wolf für ihren Bruder, die Biene für ihre Schwägerin und die Pinguine für eine Nichte. Eine weitere Nichte hat sogar ein Bild direkt auf die eigene Zimmertapete bekommen.

 

Gemalt wird im Hause Adler freitags. Tagsüber, damit Ehemann Christian nicht im Schlaf gestört wird. Irene Adler erzwingt aber nichts: Wenn die Muße fehlt, lässt sie es eben sein. „Sie ist eigentlich mit jedem Bild erst mal unzufrieden“, sagt Gatte Christian Adler und lächelt seine Frau liebevoll an. Genau das ist für die Künstlerin eine wichtige Phase. Sie bewegt sich dann vom Bild weg oder stellt es gleich auf den Kopf – allerdings nicht, um damit den berühmten Zeitgenossen Georg Baselitz zu kopieren. Vielmehr steht die Suche nach eigenen Fehlern im Mittelpunkt. „Manchmal merkt man, dass etwas nicht stimmt“, sagt Irene Adler. Dann ändert sie die Perspektive – damit das Gehirn wieder offen wird. Schwupps, schon platzt der geistige Knoten und weiter geht’s.

 

Irene Adlers Vorbild ist derzeit die Hamburgerin Astrid Volquardsen. „Die habe ich in einer Fachzeitschrift entdeckt.“ An ihr schätzt sie die Herangehensweise an Landschaftsbilder. Dieser Fokus auf spezielle Stimmungen. Bereichernd ist für die Schorndorferin auch der Kurs bei der privaten Urbacher Kunstschule von Angelika Neumann.

 

Seit Januar lernt sie dort dazu. „Das hat mir sehr viel weitergeholfen.“ Beim Werk „Inselträume“ hätte Irene Adler früher erst die Insel in der Mitte gemalt – und dann drum herum den Rest. Heute weiß sie: Die Farben fließen besser, wenn man beides gleichzeitig malt. Die Töne der Umgebung tauchen in der Insel ebenfalls auf.

 

„Summerday“ zeigt eine warme Landschaft mit satten Rottönen. Die Blumen deutet Irene Adler mit Punkten an. Der Impressionist Monet ist da für die Schorndorferin Vorbild gewesen. „Siehst du, jetzt wirst du zusammen mit Monet genannt“, sagt Gatte Christian und lächelt.